© Elisa Mux

To Read im März

Gesa Kolb

Steering the Craft

Als ich die Neuauflage von Ursula K. Le Guin’s Steering the Craft im Bücherregal bei Walther König fand, war ich in der Hoffnung, nach langer Pause endlich wieder mehr ins Schreiben und Denken zu kommen. Ihr Handbuch erschien mir in diesem Moment wie ein Steuer, an dem ich mich festhalten konnte.

Le Guin ist vor allem bekannt durch ihre Sci-Fi und Fantasy-Romane und in unseren Kreisen auch durch ihr Essay The Carrier Bag Theory of Fiction.

Mit Steering the Craft widmet sie sich der Analyse ihrer eigenen Craft. Sie schafft es, mit humorvollem Ton und messerscharfer Präzision auch die Relevanz von so verhassten Themen  wie Satzstruktur oder Absatzgestaltung zu verdeutlichen und ihnen Schönheit zu verleihen.

Ihre Analysen und Beobachtungen führten für mich zwar nicht auf direktem Weg ins Schreiben. Sie haben mir jedoch gezeigt, wie genau wir die Texte und Medien, die wir konsumieren, wahrnehmen sollten. Wie sehr durch präzise Änderungen in der Satzstruktur Bedeutungsebenen wegfallen oder hinzugefügt werden können. Selbst wenn man die Übungen, die sie in den einzelnen Kapiteln vorschlägt, nicht ausführt, wird den Lesenden dennoch ein Werkzeug an die Hand gegeben: Das Bewusstsein für kritisches Lesen und Denken, welches ich besonders in unseren Zeiten für eine wichtige Fähigkeit erachte, im Schutz gegen Manipulation und faschistische Meinungsmache. Und noch dazu findet sich bestimmt auch die nächste Lese-Inspiration in ihren zahlreichen Literaturbeispielen.