Katharina Wesselmann: Die abgetrennte Zunge. Sex und Macht in der Antike neu lesen
Für meine künstlerische Arbeit mit feministischen Themen war „Die abgetrennte Zunge“ von Katharina Wesselmann besonders inspirierend, da es zeigt, wie tief sexistische Machtstrukturen in antiken Texten verankert sind und bis heute unkritisch weitergegeben werden. Gerade vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen im Lateinunterricht eröffnet mir ihre Perspektive eine wichtige Neubewertung: Die Texte erscheinen nicht als neutrale Klassiker, sondern als kulturelle Narrative, die Geschlechterbilder prägen und Frauen oft auf Projektionsflächen männlicher Perspektiven reduzieren. Für meine Kunst ist das zentral, weil ich genau diese tradierten Bilder hinterfrage und neu kontextualisiere. Wesselmann liefert dafür nicht nur inhaltliche Impulse, sondern auch eine methodische Haltung des kritischen Lesens, die vermeintliche Neutralität dekonstruiert und zeigt, wie Geschlecht konstruiert und reproduziert wird. Ich empfehle das Buch, weil es wissenschaftliche Analyse mit persönlicher Auseinandersetzung verbindet und die Antike als bis heute wirkmächtigen Teil unserer Vorstellungen von Geschlecht und Macht sichtbar macht.
PS: Das Buch ist kostenlos über Universität Heidelberg abrufbar.
