Als ich Luise das erste Mal getroffen habe, im Büro auf der Arbeit, wusste ich sofort, dass wir uns verstehen würden und da ein ganz besonderer Mensch vor mir steht. Ein Mensch mit so vielen Facetten, die sich teils sofort zeigen, mitunter aber auch erst zum Vorschein kommen, wenn man sie besser kennenlernt. Aus der Verbindung, die aus unserer ersten Begegnung heraus folgte, entsprang irgendwann die zündende Idee für And She Was Like: BÄM!.
Luise hat BÄM! von Anfang an so viel mitgegeben: ihre Schärfe und Präzision bei allen Fragen, die unser Programm und unsere Ausrichtung betreffen. Input und Gedanken zu allem, was gerade pulsiert, in der Luft liegt, beachtet werden sollte. Eine Wärme und Herzlichkeit, die sie allen entgegenbringt, die mit ihr zusammenarbeiten. Ein offenes Ohr für alle Fragen, benötigten Ratschläge, Bitten nach Feedback oder Zuspruch, die an sie herangetragen werden. Und Luise legt den Finger in die Wunde, wenn wir es uns zu bequem machen und stellt sich selbst und unsere Arbeit immer wieder infrage.
Vor allem aber ist Luise wahrscheinlich der lustigste Mensch, den ich kenne. Ihr Witz ist immer mit im Raum, ihre Schlagfertigkeit und ihr wirklich einzigartiger Humor trägt sie mit sich wie ein unsichtbares Regencape, das sie bei Bedarf aus der Tasche ziehen kann. Sie ist immer für einen kleinen Unfug zu haben, aber wenn Luise eine Sache anpackt, ist sie mit voller Ernsthaftigkeit dabei – und trotzdem nimmt sie sich selbst nicht zu ernst. Um es kurz zu machen: Jede*r sollte eine Luise in ihrem oder seinem Leben haben. Es fehlt sonst einfach etwas. (Leonie Pfennig)
Wer bist du, und was treibt dich in deinem Leben und deiner Arbeit an?
Ich bin Luise und arbeite seit über 15 Jahren mal freiberuflich und mal in Anstellung im Bereich Kunst und Medien – mit dem Schwerpunkt auf redaktioneller Arbeit, Bildungs- und Community-Formaten.Was ich dabei eigentlich hauptsächlich mache und was mir große Freude bereitet: Ich höre genau zu, wer was braucht, und versuche dann, das passende Gegenstück dazu zu finden – den anderen Menschen, das andere Projekt, die anderen Ressourcen, die daran anknüpfen können. Ich versuche die ganze Zeit, Verbindungen zu schaffen. Und genau das ist es letztlich auch, was mich im Leben und in der Arbeit antreibt.
Wie würdest du dich und dein Wirken in drei Worten beschreiben?
Fragend, aufrichtig, offenherzig
Gibt es einen Moment, eine Erfahrung, Menschen, die dich besonders geprägt haben und deine Sicht auf die Welt, dein Arbeiten beeinflusst haben?
Es gibt viele Momente und Erfahrungen, aber vor allem viele Menschen, die ich beobachten durfte – ohne da jetzt eine Einzelperson herausnehmen zu wollen. Mich haben Menschen geprägt, die gezeigt haben, wie bereit sie immer wieder waren, sich zu verändern, Dinge zu revidieren, sich neu zu erfinden – und bereit waren, Platz für mich zu machen. Ich bin immer wieder auf Menschen getroffen, die zur Seite getreten sind, damit ich an der Reihe bin. Genau so ein Mensch möchte ich auch sein: jemand, der zur Seite treten oder den Rücken stärken kann. Jemand, der weiß, wann es Zeit ist, eine andere Person in die erste Reihe zu schicken und ihr diesen Raum zu geben. Und das nicht nur halbherzig, sondern mit echter Unterstützung, Begeisterung und Überzeugung für diesen Menschen – gerade dann, wenn er*sie diesen Glauben an sich selbst vielleicht noch nicht hat.
Work in Progress ist ein zentrales Prinzip von And She Was Like: BÄM! – In welchem Bereich erlebst du dich selbst als Lernende oder Verändernde? In welchem Bereich fühlst du dich gerade selbst „in progress“?
Ich erlebe das vor allem in meiner Mutterschaft. Da habe ich das Gefühl, alles ist ständig „in progress“, in Veränderung, und es gibt eigentlich gar keinen Zustand, der nicht so ist. Diesen Prozess als etwas zu verstehen, das eine eigene Qualität hat, dass es vielleicht wichtiger ist, sich im Werden zu befinden als in einem endgültigen Zustand, genau an diesem Punkt stehe ich gerade in meinem Leben. Ich lerne, das nicht nur in der Mutterschaft zu begreifen: mich nicht mehr ständig auf die Suche zu begeben, sondern das, wo ich jetzt bin, als den Ort zu begreifen, an dem ich sein soll und sein möchte. In dieser Akzeptanz und diesem tiefen Verständnis bin ich gerade selbst total „in progress“.
Welche*r Künstler*in, Aktivist*in oder Denker*in inspiriert dich aktuell, und warum?
Die Antwort mag vielleicht verwundern, aber neben ganz vielen Aktivist*innen und Denker*innen ist es aktuell jemand aus dem popkulturellen Bereich – um mal eine etwas leichtere Antwort zu geben: Rosalía. Was mich an ihr inspiriert, hat auch damit zu tun, dass dieser Bereich sehr fern von meinem eigenen ist und eine bestimmte Ausstrahlung und Aura hat. Das weckt in mir irgendwie das innere Kind und diesen alten, kleinen Popstar-Traum, den man manchmal mit sich herumträgt. Gar nicht, um ihn wirklich auszuleben, sondern einfach, um bestimmte Fantasien in sich aufrechtzuerhalten und mit ihnen zu spielen. Vor allem aber beeindruckt mich ihre Entschlossenheit, sich mit dem zu beschäftigen, was tief im eigenen Bauchgefühl, in der eigenen Intuition verwurzelt ist. Sich voll darauf zu verlassen, dass genau das nach außen dringen muss, und dafür eine eigene künstlerische Form zu finden, das finde ich ziemlich beeindruckend.
Was bedeutet für dich „Gemeinschaft“ – und wie kann sie in herausfordernden Zeiten gestärkt werden?
Gemeinschaft fängt im Kleinsten an, bei zwei Personen, als ein Gefühl von Vertrautheit und Verbundenheit. Ich versuche immer wieder, Gemeinschaft zuerst im Kleinen, ganz eng und auf einer Gefühlsebene zu verstehen, und sie dann ins Große zu übertragen. Das bedeutet für mich auch, mich selbst zu hinterfragen und mich immer wieder neu dafür zu öffnen, auch jene Menschen als meine Gemeinschaft zu begreifen, mit denen ich vielleicht nicht sofort auf einer Linie bin. Es geht darum, offen und aufrecht zu bleiben und Gemeinschaft nicht nur von individuellen Befindlichkeiten abhängig zu machen, sondern sie fast wie einen Urinstinkt zu verstehen. Die wahre Kraft von Gemeinschaft liegt für mich darin, dass sie biegsam ist, strapazierfähig und streitbar – und trotzdem nicht kaputt geht.
Was braucht es, damit künstlerische und aktivistische Arbeit langfristig Wirkung entfalten kann?
Wir müssen dringend verstehen, dass Kunst und Kultur – und alle Künstler*innen, Kulturschaffenden und Kulturarbeiter*innen – ein enorm wichtiger Faktor sind: als Triebfeder für Transformation und zugleich als Zufluchtsort für ein pluralistisches, freies Leben und Denken. Aus diesem Verständnis heraus braucht es unbedingt eine echte Wertschätzung, die sich in einer substanziellen, strukturellen Finanzierung ausdrückt, die nicht nur projektgebunden ist. Außerdem wünsche ich mir sehr, dass wir zu einer neuen Art von Kommunikation und Sprache finden, dass wir neu lernen, wie wir Diskurse miteinander austragen.
Welches Wort oder welche Emotion beschreibt für dich am besten die Energie von And She Was Like: BÄM!?
Puls! Ich habe das Gefühl, BÄM! ist für mich schon so lange wie ein Pulsschlag: mal stärker, mal schwächer, aber immer da, immer voller Leben und voller Impulse. Etwas, von dem man ganz genau weiß, dass man es braucht, um sich lebendig zu fühlen.
