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Tupoka Ogette: Trotzdem Zuhause

Im Oktober noch kein Buch am Bett? Das lässt sich ändern …

Alina Kehl

Tupoka Ogette: Trotzdem Zuhause

Die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben einmal mehr die Diskussion um die verschleppte Wende angefacht: Wie kann es sein, dass 35 Jahre nach dem Mauerfall die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland immer noch so groß sind? Warum fühlen sich viele Menschen in Ostdeutschland abgehängt und nicht wahrgenommen? Wie kommt es, dass im Osten die AfD so stark ist? Und warum sind es gerade die Länder mit einem eher geringeren Migrant*innenanteil, in denen die Forderungen nach einer strengeren Sicherheits- und Einwanderungspolitik am lautesten sind? 

 

In dem Wunsch, mich mehr mit der DDR-Geschichte und den Nachwirkungen der Deutschen Einheit zu beschäftigen, bin ich auf das neue Buch von Tupoka Ogette gestoßen, die in Deutschland zu den wichtigsten Stimmen der Rassismuskritik gehört. In ihrem autobiographischen Roman Trotzdem Zuhause erzählt sie davon, wie sie als Schwarzes Kind in der DDR aufwächst. Sie lebt zwischen der systemkritischen und linksintellektuellen Welt ihrer Mutter, einem ideologisch-gesteuerten Schulsystem und der ihr lange unbekannten Kultur ihres tansanischen Vaters – und nirgendwo fühlt sie sich richtig Zuhause. Im Gegenteil: Schon als junges Mädchen, als sie noch gar kein Vokabular für den Rassismus und Sexismus ihres Alltags kennt, muss sie eigene Überlebensstrategien entwickeln, um mit gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diskriminierung umzugehen. 

 

Unglaublich berührend erzählt Tupoka Ogette von ihrem verzweifelten Wunsch nach Zugehörigkeit, von Heimat und Flucht aber auch von dem Heranwachsen als Frau in einem patriarchalen und sexistischen Umfeld, von Fettfeindlichkeit, Scham und sexueller Gewalt. Ihre Geschichte führt schmerzhaft vor Augen, wie bei Schwarzen Frauen Rassismus und Sexismus ineinander greifen und wie sich gesellschaftliche Missachtung und wiederholte Ablehnung auf die menschliche Psyche auswirken – aber auch, welche Kraft aus Zusammenhalt und Communities wachsen kann, wie wichtig rassismus- und sexismuskritische Aufklärung und politischer Widerstand sind.