Lisas Arbeit kenne ich schon länger als sie selbst. Ihre Ausstellungen und Projekte sind gerne bunt umkreist, mit Ausrufezeichen oder Herzchen als Highlight im Kalender. Ich erinnere mich noch genau an einen Moment im Strizzi Space in Köln-Kalk, dessen Programm sie damals kuratierte: Mein Blick blieb an einem Regal hängen, gefüllt mit kleinen, bonbonartigen Objekten, die wie bunte Edelsteine schimmerten. Heute leuchten meine Augen ähnlich, wenn ich von Lisa spreche. (Amelie Gappa)
Ihre Ausstellungen sind wie sie selbst: offen, wohlig, warm und klug. Orte, in denen sich Menschen willkommen fühlen und die wir brauchen, in einer oft kühlen Kunstwelt und erst recht in diesen Zeiten. Unter ihren Einladungen steht: „alle sind willkommen“. Und bei Lisa ist das keine lose Floskel.
In ihrer Arbeit geht es ihr um genau das: um Gemeinschaft, um Teilhabe und darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen zusammenkommen können. Sie denkt Kunst als etwas, das verbindet: getragen von Austausch und der Überzeugung, dass mehr Menschen an ihrer transformativen Kraft teilhaben sollten.
Ihr Anliegen ist das unmittelbare, immersive und aktivierende Erleben von Kunst und Gemeinschaft. Oft schafft sie mehrteilige, temporäre Formate, fast wie kleine Geschichten, die sich über Zeit entfalten und die man live miterleben kann, wie bei Dollhouses (Hamburg 2021, Köln 2023) oder aktuell Nightshifts in Hamburg. Seit 2023 ist sie auch eng mit der Temporary Gallery verbunden, wo sie heute als Kuratorin die Ausrichtung mit der Leitung Aneta Rostowska gestaltet und Projekte realisiert.
Als eine Position, die BÄM! inspiriert, möchten wir euch nun Lisa näher vorstellen. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit, ihren Antrieb und ihre Vorstellungen von Gemeinschaft gesprochen und wünschen euch viel Spaß beim Eintauchen!
Wer bist du, und was treibt dich in deinem Leben und deiner Arbeit an?
Ich bin Kuratorin und Künstlerin aus Köln. In meiner Arbeit gestalte ich Räume für Gemeinschaft und Kunst.
Wie würdest du dich und dein Wirken in drei Worten beschreiben – und warum genau diese?
assoziativ – gemeinschaftlich – situationsspezifisch
Gibt es einen Moment, eine Erfahrung, Menschen, die dich besonders geprägt haben und deine Sicht auf die Welt, dein Arbeiten beeinflusst haben?
Meine engen Kolleg*innen und Kooperationspartner*innen sind für mich die schärfsten und präzisesten Kritiker*innen unseres Arbeitsumfeldes und auch meiner Arbeit. Zum Beispiel die Kulturvermittlerin Paulina Seyfried, mit der ich das partizipative Projekt Bedarfsgeimschaft im Ruhrgebiet umgesetzt habe, ist ein echter „Critical Friend“, von deren radikal-demokratischer Vision von Kulturarbeit ich viel gelernt habe.
Work in Progress ist ein zentrales Prinzip von And She Was Like: BÄM! – In welchem Bereich erlebst du dich selbst als Lernende oder Verändernde? In welchem Bereich fühlst du dich gerade selbst „in progress“?
Wie können an der transformativen Kraft der Kunst mehr Menschen dieser Gesellschaft teilhaben und von ihr profitieren?
Welche*r Künstler*in, Aktivist*in oder Denker*in inspiriert dich aktuell, und warum?
Gerade lese ich das Buch Disordered Attention: How We Look at Art and Performance Today der Kunsthistorikerin und Kritikerin Claire Bishop, in dem sie untersucht, wie sich unsere Wahrnehmung von Kunst und Performance im Zeitalter digitaler Ablenkung verändert hat und welche neuen Formen der Aufmerksamkeit daraus entstehen. Das ist für meine Arbeit interessant, da ich viel mit performativen, temporären Formaten im öffentlichen Raum arbeite.
Was bedeutet für dich „Gemeinschaft“ – und wie kann sie in herausfordernden Zeiten gestärkt werden?
Durch gemeinsames Gestalten. Partizipation, demokratische Strukturen, Abbau von Hierarchien und Verhinderung von Machtmissbrauch und Patriarchat müssen von Grund auf bearbeitet werden. Das passiert schon an vielen Stellen, aber die Distanz zueinander ist noch zu groß, um wirklich miteinander ins Gespräch zu kommen. Meiner Meinung und Erfahrung nach können Kunst und Kultur eine Brückenfunktion darstellen. Das geht jedoch nur auf, wenn eine Grundlage, ein Raum, ein Kontext geschaffen wird, als Austragungsort dieser “kreativen” Begegnungen. Und jene Arbeit müssen die Institutionen und Szenen leisten sowie die Fördergeber*innen, die die Voraussetzungen schaffen.
In den letzten zehn Jahren hat sich gesellschaftlich viel bewegt – welche Entwicklungen machen dir Hoffnung, und wo siehst du noch dringenden Handlungsbedarf? Welche Stimmen oder Perspektiven fehlen deiner Meinung nach noch in öffentlichen Diskursen?
Ich beschränke mich mal auf die Hoffnung. So bedrohlich viele Rückschritte es in unserer Gesellschaft hierzulande gibt, einige Fortschritte sind auch zu verzeichnen. Marginalisierte Stimmen sind als solche präsenter und durch digitale Vernetzung anschlussfähiger geworden. Davon profitiert die Kunstszene, in der ich mich beruflich bewege sehr. Sie ist vielstimmiger (als beispielsweise während meines Kunststudiums in den 2010ern) und dadurch reicher an Perspektiven und Ästhetiken.
Wenn du einen Wunsch für die nächsten zehn Jahre formulieren könntest: Was braucht es, damit künstlerische und aktivistische Arbeit langfristig Wirkung entfalten kann?
Nachhaltigere, gesichertere und inflationär angepasstere Förderstrukturen für die Kultur.