Sarah von der Heide

Illustration für den BÄM!-Newsletter

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BÄM! (stellt vor!): Sarah von der Heide

Hier lernt ihr die Menschen kennen, die BÄM! möglich machen: diejenigen, die inspirieren, organisieren, kritisieren, träumen, denken und anpacken. Menschen vor, hinter und rund um BÄM!, die unsere Community mit Herz und Haltung gestalten.

Euch Sarah vorzustellen, fühlt sich an, als würde man seine älteste Schulfreundin einer neuen, lieb gewonnenen Freundin vorstellen – voller Erwartung und Aufregung, dass die beiden sich hoffentlich genausoooooo gut verstehen werden. Sarah begleitet BÄM! vom ersten Tag an, ihre Illustrationen gehören zur DNA unseres Newsletters. Ihr kluger Kopf und ihre einfühlsame Art haben uns schon oft die Zuversicht und den Zukunftsmut geschenkt, den wir in unserer kollektiven Arbeit brauchen..

Dabei bewegt sie sich in einem spannenden Feld zwischen Gestaltung, Illustration und ihrer Arbeit als Psychologin. Ihr Antrieb ist das Bedürfnis, wach und aufmerksam in der Welt zu sein, sich für die Brüche in Biografien und die unterschiedlichen Perspektiven zu interessieren und dabei festzustellen, wie ähnlich unsere Bedürfnisse trotz aller Verschiedenheit sind.

Für Sarah ist Gemeinschaft kein schöner Nebeneffekt, sondern eine politische und menschliche Aufgabe, die aktiv gestaltet werden muss. Das ist alles andere als trivial, besonders wenn das Leben voll und die Zeit knapp ist. In ihrer psychosozialen Arbeit erlebt sie täglich, wie Isolation uns zermürbt. Sie sieht Menschen, die zwar im sozialen Austausch stehen, sich aber dennoch total allein fühlen, weil die Tiefe fehlt. Um diese strukturelle Einsamkeit zu durchbrechen, setzt Sarah auf aufrichtige Aufmerksamkeit. Für sie entsteht echte Verbundenheit dort, wo wir die Haltung bewahren, wirklich offen füreinander zu bleiben. Es geht ihr um die kleinen, alltäglichen Momente des Gesehenwerdens, die radikaler und wertvoller sind als jede oberflächliche Vernetzung.

 

Wer bist du, und was treibt dich in deinem Leben und deiner Arbeit an?

Hallo, ich bin Sarah. Ich bin Illustratorin und Gestalterin. Vor einigen Jahren habe ich zusätzlich Psychologie studiert und arbeite aktuell in Teilzeit in einem psychosozialen Krisenteam in Brüssel. 

Ich denke, mich treibt das Bedürfnis an, wach und aufmerksam in der Welt zu sein. Mich interessieren Menschen, ihre Geschichten und Perspektiven – wie unterschiedlich unsere Leben und wie ähnlich unsere Bedürfnisse doch sind.

Wie würdest du dich und dein Wirken in drei Worten beschreiben – und warum genau diese?

Suchend, vielseitig, zuversichtlich

Gibt es einen Moment, eine Erfahrung, Menschen, die dich besonders geprägt haben und deine Sicht auf die Welt, dein Arbeiten beeinflusst haben?

Im Psychologiestudium hatten wir eine Professorin (Prof. Dr. Ellen Aschermann) die in ihrer Vorlesung Theorie und Praktische Selbstreflexion super gut kombiniert hat – das fand ich sehr inspirierend. Wir sprachen unter anderem über die Ideen von Pierre Bourdieu. Das war rückblickend wichtig für mich, um Dinge in Bezug auf soziale Strukturen benennen zu können, die ich vorher zwar spürte, aber nicht richtig greifen konnte. Zum Beispiel, wie sich Formen von Kapital und Machtverhältnisse anhand von Sozialisationsprozessen fortführen und erhalten.

In der Selbstreflexion dann das Nachdenken über meine eigene Sozialisation. Welche Handlungsformen, Wahrnehmungsweisen und Denkschemata habe ich verinnerlicht, die mir meinen sozialen Raum als naturgegeben und selbstverständlich erscheinen lassen. Was wiederum erscheint mir fremd und warum? Ich glaube, im Alltag bin ich dadurch auch oft dankbar, wenn jemand meinen eigenen Habitus „stört“. Weil genau das neue Denk- und Handlungsweisen und damit Entwicklung möglich macht.

 

Work in Progress ist ein zentrales Prinzip von And She Was Like: BÄM! – In welchem Bereich erlebst du dich selbst als Lernende oder Verändernde? In welchem Bereich fühlst du dich gerade selbst „in progress“?

Ich bin vor wenigen Jahren Mutter geworden. Kurz danach bin ich mit meiner Familie nach Brüssel gezogen und habe mich in meiner Arbeit anders aufgestellt. Daraus ergibt sich für mich eine komplett neue Lebenswelt, die sich an vielen Stellen sehr nach in Progress anfühlt.

Welche*r Künstler*in, Aktivist*in oder Denker*in inspiriert dich aktuell, und warum?

Seit kurzem bin ich Teil einer „Artist Mother Reading Group“ und empfinde die Treffen an sich schon als total bereichernd. Ich bin sehr dankbar für den Input und Austausch, den ich dort erfahre. Hierdurch bin ich aktuell eingetaucht in Texte rund um Mutterschaft und Kreative Arbeit. Besonders interessant fand ich die Graphic Novel Are you my mother von Alison Bechdel. Ich lese eigentlich so gut wie nie Comics, aber hier geht es um Bechdels Beziehung zu ihrer Mutter und um Psychotherapie, das Ganze in visueller Form – für mich eine ideale Mischung.

Was bedeutet für dich „Gemeinschaft“ – und wie kann sie in herausfordernden Zeiten gestärkt werden?

Gemeinschaft muss aktiv gestaltet und gelebt werden und das finde ich gar nicht so trivial. Eine Haltung zu bewahren, in der wir wirklich offen bleiben für Austausch und füreinander, auch wenn unser Leben voll und die Zeit immer knapp ist. Isolation macht uns alle fertig, das sehe ich auch in meiner psychosozialen Arbeit. Oft sind Menschen zwar regelmäßig im sozialen Austausch, fühlen sich aber trotzdem total allein. Ich denke, um authentische Gemeinschaft herzustellen, braucht es vor allem aufrichtige Aufmerksamkeit füreinander. Ich glaube, dass dann Gemeinschaft wiederum an vielen Stellen und auch in kleinen alltäglichen Momenten entstehen kann und das finde ich besonders wertvoll.


In den letzten zehn Jahren hat sich gesellschaftlich viel bewegt – welche Entwicklungen machen dir Hoffnung, und wo siehst du noch dringenden Handlungsbedarf? Welche Stimmen oder Perspektiven fehlen deiner Meinung nach noch in öffentlichen Diskursen?

Gerade in der unruhigen aktuellen Zeit finde ich es hilfreich, wenn in öffentlichen Diskursen auch positive Entwicklungen und Ansatzpunkte Raum bekommen und Themen insgesamt differenzierter behandelt werden. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, dass gerade wieder mehr inhaltlich gute Newsletter entstehen und die Leute auch Lust haben auf solche Formate. 

Wenn du einen Wunsch für die nächsten zehn Jahre formulieren könntest: Wie sollte eine inklusive und gerechte Gesellschaft aussehen? ODER Was braucht es, damit künstlerische und aktivistische Arbeit langfristig Wirkung entfalten kann?

Wichtig ist Persistenz und dafür braucht es Ressourcen:  Zeitliche, räumliche, monetäre und natürlich Interesse. Wenn ich einen Wunsch formulieren könnte, dann dass meine feministischen Forderungen von heute in zehn Jahren für meine Tochter überhaupt nicht mehr nachvollziehbar sind.

Welches Wort oder welche Emotion beschreibt für dich am besten die Energie von And She Was Like: BÄM!?

Inspiration, Gemeinschaft und Kontinuität

Was wünschst du And She Was Like: BÄM! zum Jubiläum – und welche Botschaft möchtest du für die Zukunft mitgeben?

Danke und Happy Birthday And She Was Like: BÄM!  Lasst uns persistent, offen und aufmerksam bleiben.