Sheila Heti – Alphabetical Diaries
Grundlage ist das Tagebuch einer kanadischen Autorin in ihren Zwanzigern: es geht um Selbstzweifel, Bücher, Dates, Freundschaften, das prekäre Leben einer Künstlerin, Shopping und Schreibroutinen. Auf knappen 160 Seiten liest man durch zehn Jahre Tagebucheintragungen — jeder Satz hat einen fixen Platz im Buch: alle Sätze wurden alphabetisch sortiert, und so lautet der Anfang des Buches:
„A book about how difficult it is to change, why we don’t want to, and what is going on in our brain. A book can be about more than one thing, like a kaleidoscope, it can have many things to coalesce into one thing, different strands of a story, the attempt to do several, many more than one thing at a time, since a book is kept together by its binding. A book like a shopping market, all the selections.“
Das Buch übt auf mich eine große Faszination aus, denn es erlaubt eine ungehorsame Lesart: Man kann jede beliebige Seite aufschlagen, sich reinziehen lassen, an einzelnen Sätzen hängen bleiben. Die starken Wiederholungen beeinflussen den Lesefluss und Rhythmus des Buches sehr.
Durch die sehr starke Fragmentierung schafft Sheila Heti es, in besonderem Ton, von vielen unterschiedlichen Themen zu berichten, ohne einem stringenten Narrativ zu folgen. Die Themen und Protagonist*innen ziehen sich wie ein Netz durch das Buch und tauchen immer wieder, häufig aus dem Nichts auf.
Außerdem bin ich ein großer Fan von konsequenten Buchdesigns, und mag den Londoner Verlag Fitzcarraldo Press, der sich auf literarische Fiktion, Poesie und Essay spezialisiert hat, und bei dem Alphabetical Diaries 2024 erschien, wirklich gern.
