Hartmut Rosa im Gespräch mit Nathanaël Wallenhorst Beschleunigen wir die Resonanz
Unverfügbarkeit – was auf den ersten Blick wie etwas Negatives klingen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine große Qualität. Die Unverfügbarkeit bezieht sich auf vieles: Begegnungen, Erfahrungen, Inspiration, Lernsituationen, Wünsche …Wären diese Dinge verfügbar – konsumierbar – würden sie an Bedeutung verlieren. Also macht gerade die Unverfügbarkeit ihren Wert aus. Kurz gesagt.
In dem Gespräch Beschleunigen wir die Resonanz! geht es um das rasante Tempo unserer Zeit und das Verhältnis von Rosas Thesen zum Anthropozän. Rosa beobachtet den Modus, wie und wann wir mit unserer Umwelt in Kontakt kommen. Wobei die Resonanz den Kern bildet. Unser Alltag ist geprägt von Beschleunigung und Verfügbarkeit: Ob es Informationen oder andere Menschen sind, alles ist jederzeit in der Hosentasche zu finden. Wo ist dann Raum für Momente des Spürens, der Begegnung ohne Absicht oder Zweck?
Mich interessieren seine Ansätze, weil ich sie sowohl in meiner eigenen künstlerischen Praxis, als auch in der Vermittlungsarbeit wiederfinde. So wie er die Resonanz beschreibt, würde ich an vielen Stellen Kunst beschreiben. Kunst als die Suche nach Resonanz, und damit nach Bedeutung für mich, aber auch für andere.
Was mir gefällt, ist die Tatsache, dass Rosa nichts in Worte fasst, was eigentlich nicht in Worte gefasst werden kann, ohne dabei stark vereinfacht zu werden und damit dem Gegenstand nicht mehr gerecht zu werden. Stattdessen betont er wie kostbar die flüchtigen Dinge sind. Gerade in unserer Zeit. Und obwohl sie sich der Sprache entziehen, findet er Worte für ihren enormen Wert.
Für mich persönlich ziehe ich folgende Schlüsse: Ich muss nicht überall mit rennen. Manchmal ist weniger mehr, damit überhaupt die Aufmerksamkeit für den Moment und die Möglichkeit der Resonanz entstehen kann. Die weniger sichtbaren Situationen können einen umso größeren Wert haben, auch ohne, dass sie geteilt werden. Wenn ich im Alltag keine Zeit zum Staunen habe, säge ich an meinem eigenen Stuhl.
