© Elisa Mux

To Watch im Mai

ier geben jeden Monat Personen aus der Community persönliche Empfehlungen, was Ihr Euch anschauen könntet.

Lisa Tracy Michalik

Industry

Close-up. Das Gesicht einer jungen Frau. Lange schwarze Braids. Der Blick nach oben gerichtet. Suchend. Eine Stimme aus dem Off: „Bla bla bla bla.“ Schnitt. Ein modernes Büro. Große Fenster, viel Licht. Ein langer schwarzer Konferenztisch mit leeren Wassergläsern und Karaffen. Rechts am Tisch sitzt die junge Frau, Harper Stern, gespielt von Myha’la. Links von ihr am Kopfende sitzt ihr baldiger Chef Eric Tao (Ken Leung). Ihm gehörte die Stimme aus dem Off. Im Verlauf des Gesprächs wird Harper erklären, dass sie kein Kind aus privilegierten Verhältnissen ist. Sie hat an keiner Elite-Uni studiert, doch sie ist schlau. Und sie ist auf sich allein gestellt. Industry folgt einer Gruppe junger Investmentbanker*innen in London, die gemeinsam beim fiktiven Unternehmen Pierpoint arbeiten. Das Tempo der Folgen ist rasant. Im Bruchteil einer Sekunde können diese Menschen Millionen an der Börse verdienen. Oder verlieren. Das Leben von Harper und ihren Kolleg*innen dreht sich um den Job. Viele soziale Kontakte außerhalb dieser Welt pflegen sie nicht. So lassen die Office-Affären, Drogenexzesse und Intrigen nicht lange auf sich warten. Doch im Fokus auf diesen spezifischen Mikrokosmos erzählt Industry immer auch eine größere Geschichte und schafft es, auf reale Ereignisse und das politische Geschehen zu reagieren. Dabei werden pointierte Kommentare zu Race, Klasse, Begehren, Sexualität und Gender abgegeben, ohne dass es gezwungen wirkt. So beleuchtet die aktuelle vierte Staffel die dunklen Abgründe, die sich in der Verwobenheit von Wirtschaft und Politik auftun und reflektiert dabei unter anderem auch, was wir jeden Tag immer deutlicher spüren: Vieles, was durch feministische und antirassistische Kämpfe insbesondere in den letzten Jahren errungen wurde, soll Schritt für Schritt zerstört werden.