Daniel Schreiber – Liebe! Ein Aufruf
Welchen aktuellen Anlass müsste man benennen, um die Dringlichkeit zu erklären, mit der ich mir die Verbreitung von Daniel Schreibers Gedanken wünsche? Welche weitere Eskalationsspirale, die ins Nirgendwo führt, wäre notwendig, um diesen Text zu rechtfertigen?
Es tut (mir) so gut, einem Menschen lesend dabei zu folgen, wie er über Liebe als politisches Instrument nachdenkt – ohne falsche Gewissheiten. Daniel Schreiber schreibt aus dem Zweifel heraus, aus einem Zustand der Erschöpfung und des inneren Rückzugs, den sicher viele von uns kennen. Er benennt den Zynismus, der sich tief festgesetzt hat, und die bohrende Frage, ob Liebe angesichts des fortwährenden Unrechts überhaupt noch eine Antwort sein kann.
„Ich fühlte mich in der Gesellschaft, in der ich lebte, immer weniger zuhause.“
Wenn die Gewissheiten wanken, wenn Regeln nicht mehr gelten, wenn selbst demokratisch gewählte Machthabende nicht mehr das Offensichtliche ansprechen – was bleibt?
Liebe! verweigert sich der Resignation. Daniel Schreiber begibt sich auf die Suche nach jenen, die vor ihm über die politische Kraft der Liebe nachgedacht haben – Martin Luther King, Erich Fromm, Hannah Arendt und andere. In der Auseinandersetzung mit ihren Gedanken entsteht eine Einladung zum erneuten Denken, zum vorsichtigen Wiederannähern an einen Begriff, der nicht länger als naiv abgetan werden darf.
Dieses Buch ist zugleich eine präzise Bestandsaufnahme unserer Gegenwart: der vielfältigen Fehlentwicklungen in Politik, Gesellschaft und Zusammenleben, die uns tagtäglich überfordern. Wer sich in den Krisenszenarien verliert, wer nach Klarheit sucht, nach Zusammenhängen und nach einer Sprache für das eigene Unbehagen, findet hier einen wunderschön zu lesenden Text, der, wie im Titel angekündigt, mit einem Aufruf endet: Ins Handeln kommen, gemeinsam, in Liebe.
